Historie der Glashütte
Die Glashütte Rückl ist seit 1846 ein Synonym für erstklassiges geschliffenes Kristallglas.
Die Geschichte der Glashütte Rückl
Die Glashütte Rückl ist seit 1846 ein Synonym für erstklassiges geschliffenes Kristallglas.ké události doby.
Die Glasmacherfamilie Rückl kam an der Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert nach Böhmen. Die erste stabile Glashütte, die den Namen der Familie trägt, wurde 1846 dank der Bemühungen von Jan Rückl in Ostrov gegründet. Damit wurde der Grundstein für das künftige Glasimperium gelegt, das seine Leidenschaften bereits für immer mit mehreren Orten auf böhmischem Gebiet verbunden hatte.
Die Glasproduktion erreichte ihren Höhepunkt in der Zwischenkriegszeit, aber diese goldene Ära endete mit der Verstaatlichung durch das kommunistische Regime bereits 1945. Die Produktion wurde zwar fortgesetzt, allerdings unter dem Markennamen Bohemia Crystal. Nach der Samtenen Revolution kaufte der Urenkel des Gründers, Jiří Rückl, 1992 die gesamten Anteile des Unternehmens zurück. Seitdem werden die Produkte unter der Marke Rückl Crystal verkauft.
Der jetzige Eigentümer der Glashütte ist Martin Wichterle, der sie 2016 gekauft und damit gerettet hat. Das Unternehmen hat jetzt etwa 80 Mitarbeiter*innen. In den kommenden Jahren wird eine umfassende Revitalisierung des Gebäudes sowie die Errichtung eines modernen Besucherzentrums geplant.
Die erste Glashütte Rückl
Die Glasmacherfamilie Rückl kam an der Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert nach Böhmen. Die erste stabile Glashütte, die den Namen der Familie trägt, wurde 1846 dank der Bemühungen von Jan Rückl in Ostrov gegründet. Damit wurde der Grundstein für das künftige Glasimperium gelegt, das seine Leidenschaften bereits für immer mit mehreren Orten auf böhmischem Gebiet verbunden hatte.

Der 65. Geburtstag von Jan Rückl mit seiner Familie, 1874

J. Rückl (1809-1885) Gründer der Glashütte in Ostrov
Gründung der Glashütte in Nižbor
Nach der Gründung kleinerer Familienglashütten in Ostrov, Včelnička und Skalice bei Česká Lípa entschied sich Antonín Rückl 1903 für den Bau einer Glashütte in Nižbor auf der grünen Wiese, in unmittelbarer Nähe der neu gebauten Eisenbahnlinie von Prag nach Rakovník.

Schleiferei Nižbor, 1910

Antonín Rückl
Válečná doba
Die Zeit der Weltkriege stellte eine große Herausforderung für das Familienunternehmen dar. Die Glashütte überstand die schweren Zeiten dank des Geschicks und der Diplomatie von Antonín Rückl, dem es gelang, die Produktion in einer Zeit aufrechtzuerhalten, als die meisten Männer an die Front zogen. Der Vertrag über die Herstellung von Gläsern zur Reinigung des Benzins in den Vergasern der Messerschmitt-Flugzeuge schützte nicht nur die Männer davor, in den Krieg zu ziehen und sich in unbekanntes Gebiet jenseits der Grenze zu begeben, sondern entlastete auch den Familienhaushalt in schwierigen Zeiten.

Die Glasmacher von Nižbor bei der Arbeit

Brotzeit in der Glashütte
Die goldenen Jahre
Die eigentliche Blütezeit kam in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen, als die familieneigene Glashütte 1921 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt wurde und sich der Fokus auf Expansion und Innovation richtete. Zu diesem Zeitpunkt hatten alle Rückl-Unternehmen 1.000 Mitarbeiter*innen, ein Lager in der Hauptstadt und eine weltweite Präsenz von Belgien und England bis Indien und Damaskus. Neben dem technologischen Fortschritt konzentrierte sich die Glashütte auch auf Designentwicklung und ging eine Zusammenarbeit mit führenden tschechischen Glaskünstlern wie Ludvika Smrčková und Professor Josef Drahoňovský ein. Ihren Erfolg feierte die Glashütte mit der exklusiven geschliffenen Vase für Präsident Tomáš Garrigue Masaryk, sowie auf der Glasausstellung in Paris, wo sie 1935 den Grand Prix für ihre Produkte erhielt.

Der ursprüngliche Ausstellungsraum in Nižbor genannt NEBE

Profesor Josef Drahoňovský 1877-1938
Harte Zeiten im Kommunismus
Eine neue Ära des Familienimperiums begann am 28. Oktober 1945, als das Verstaatlichungsdekret Nr. 100 von Präsident Beneš in Kraft trat und über die Familienunternehmen legten sich nach Jahren der Prosperität die dunklen Wolken. In Nižbor wurde die gesamte geschliffene oder anderweitig veredelte Produktion als letztes Überbleibsel der Bourgeoisie bezeichnet und abgeschafft. Die Produktion konzentrierte sich auf Küvetten – quadratische, aquarienähnliche Gefäße für medizinische Zwecke – und Gebrauchsgläser – die turbulente Geschichte der Produktpalette scheint genau der totalitären Ohnmacht zu entsprechen, in der sich die Glashütte vierzig lange Jahre danach befand.
In den 1960er Jahren sah der Staatsapparat in der Glasproduktion eine lukrative Finanzquelle und beschloss, in der Region Křivoklát ein völlig neues Schleifwerk zu bauen, um möglichst viel vom Export der Produkte ins Ausland zu profitieren.

Rekonstruktion der Hüttenhalle, 1960er Jahre

Rekonstruktion der Hüttenhalle, 1960er Jahre
Eine bittersüße Rückkehr
Nach einer langen Zeit der Trennung kam schließlich das Jahr 1989 und mit ihm viele Erwartungen. Der Restitutionsantrag der Familie Rückl wurde aber abgelehnt und das hat für eine Ernüchterung aus der Revolutionseuphorie gesorgt. Die einzige Möglichkeit, die Glashütte an ihre Besitzer zurückzugeben, war ein Kauf. „Mein Vater sagte mir, ich solle mir den Kauf gut überlegen, denn es gehe nicht nur um die Glashütte als solche, sondern auch um die damit untrennbar verbundene Fürsorge für die Glasmacher*innen und ihre Familien“, erinnert sich Jiří Rückl, Fortsetzer der Familientradition und Urenkel des ersten Besitzers, den zur Glasproduktion nicht nur seine Gene, sondern auch seine Glasmacher Ausbildung hingezogen haben. Im Jahr 1992 erwarb er die ausgelaugte Glashütte Nižbor für 35 Millionen Kronen vom Staat und die ersten Renovierungsarbeiten konnten beginnen.

Jiří Rückl

Glashütte Nižbor
Wir erzählen Geschichten
Das Jahr 2017 bringt grundlegende Veränderungen für die Glashütte. Mit dem Einstieg von Martin Wichterle, einem Investor und Mäzen tschechischer Marken, bekommt das jahrhundertealte Handwerk die Chance, auch im Bereich des zeitgenössischen Designs zu punkten. Die neue Kollektion unter der künstlerischen Leitung von Rony Plesl ist eine Hommage an die Tradition der tschechischen Glasherstellung und an Ikonen der tschechischen Geschichte.
Im September 2022 hat die talentierte Designerin Kateřina Handlová die künstlerische Leitung der Marke Rückl übernommen. Ihre Kollektionen verbinden Zerbrechlichkeit und Punk und spiegeln ihre Bewunderung für starke Frauen wider.

Handschliff der Metamorphose-Vase

Mundgeblasenes Glas in Nižbor